Artikel: Kirche im Karolingerreich
| | Kirche im Karolingerreich | Deutsche Geschichte im Mittelalter |
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Zwei Personen sollen im Zusammenhang mit der kirchlichen Entwicklung im Karolingerreich herausgestellt werden: Winfrid-Bonifatius (†754) und Benedikt von Aniane (†821). Der Angelsachse Bonifatius hatte – im engen Kontakt zum römischen Papsttum, dessen Missionslegat er wurde (738) – bei den Friesen, Sachsen, Hessen und Thüringern das Christentum gepredigt. Seit dem Concilium Germanicum (743?), der fränkischen Kirchensynode des Hausmeiers Karlmann, war Bonifatius Metropolit der austrasischen Kirche und begann mit deren (Neu-) Organisation, die indes schleppend verlief und mit persönlichen Rückschlägen verbunden war; Widerstände gab es im fränkischen Episkopat gegen eine romverbundene, kanonisch geordnete Kirche im angelsächsischen Sinn. Zumindest indirekt erbrachte aber die Romorientierung des Bonifatius das Zusammengehen von Papst Zacharias und Hausmeier Pippin dem Jüngeren (741-751), das in der Königserhebung und Salbung Pippins (751) sowie in der Einrichtung des Kirchenstaats gipfelte. Dagegen wurde für Bonifatius ab 753 nochmals die Friesenmission aktuell; räuberische Friesen erschlugen ihn indes zusammen mit ungefähr fünfzig Gefährten am 5. Juni 754.
_ Die Ausdehnung der fränkischen "Reichskirche" nach Norden und Osten unter Bonifatius wird erkennbar an den neu gegründeten Bistümern (Utrecht, Würzburg, Eichstätt, Erfurt) und Klöstern (Fulda). Die Herrscher Karl der Große (768-814) und Ludwig der Fromme (814-840) ergänzten die kirchliche Organisation östlich des Rheins durch weitere Bistümer; Erzbistümer waren Köln, Mainz, Trier und Salzburg; die Kirche im fränkischen Gesamtreich bestand aus 21 Metropolitanverbänden. Die Einführung des verpflichtenden Kirchenzehnts schuf für Pfarrkirchen und Pfarreien eine wirtschaftliche Grundlage für die Versorgung der Priester, den Kirchenbau und das Almosenwesen.
_ Mit der Kirchenpolitik Ludwigs des Frommen aufs engste verbunden war Benedikt von Aniane, Abt des Klosters Kornelimünster (bei Aachen). Unter Bezugnahme auf Benedikt von Nursia (†547) und dessen Klosterregel verfolgte Benedikt von Aniane das Ziel der una regula der fränkischen Klöster und wurde darin erfolgreich von Kaiser Ludwig unterstützt, wie die Beschlüsse der Reichssynoden von 816, 817 und 818/19 zeigen. Es entstand dadurch die für die Folgezeit so wirksame Gemeinschaft von Benediktinerklöstern, die sich auf "eine Regel" bei verschiedenen "Ausführungsbestimmungen" (consuetudines) berufen konnten. Parallel dazu versuchte man auch die Lebensweise der Kanoniker und Sanktimonialen zu regulieren (Aachener Regel 816).
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| | Literatur: Buhlmann, Michael, Das Frankenreich, Großmacht am Anfang des Mittelalters, Tl.1: Geschichte, Tl.2: Anhang, Tl.3: Karten (= VA 37/1-3), St. Georgen 2008, Tl.1, S.39f;
Fried, Johannes, Der karolingische Herrschaftsverband im 9. Jahrhundert zwischen "Kirche" und "Königshaus", in: HZ 235 (1982), S.1-43;
Wallace-Hadrill, John M., The Frankish Church, Oxford 1983;
Text: Buhlmann | |
Bearbeiter: Michael Buhlmann