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Deutsche Geschichte im Mittelalter

Artikel: "Staatsstreich" Grimoalds

 

"Staatsstreich" Grimoalds

Deutsche Geschichte im Mittelalter
  Der einzige Sohn des karolingischen Hausmeiers Pippin des Älteren (†640), Grimoald (I), war ab 643 im Besitz des austrasischen Hausmeieramts unter König Sigibert III. (639-656). Grimoald soll seinen Sohn, dem der Namen Childebert zugewiesen wurde, von Sigibert adoptiert haben lassen, so dass der Karolinger Childebertus adoptivus nach Sigiberts Tod und dem zunächst geglückten "Staatsstreich" Grimoalds an die Macht gelangte (656-662). Dieser traditionellen Sichtweise der historischen Forschung steht indes die wahrscheinlichere Interpretation entgegen, dass Childebert (III.) neben Dagobert II. (n.656?, 675-679) ein weiterer Sohn Sigiberts III. gewesen war. In den nach Sigiberts Tod ausbrechenden Thronkämpfen konnte sich Grimoald gegen Chimnechild, die Ehefrau Sigiberts, durchsetzen, nachdem er Childebert adoptiert hatte und somit seine Stellung als Hausmeier und Vater (s)eines Königs festigen konnte. Dagobert II. wurde zum Mönch Daniel gemacht und nach Irland abgeschoben; er sollte ab 675 das fränkische Ostreich regieren. Grimoald hingegen behauptete sich in Austrien, bis er nach dem Tod Childeberts einem wohl von Chimnechild initiierten Überfall neustrischer Franken zum Opfer fiel, gefangen genommen und hingerichtet wurde (662). Mit dem Tod Grimoalds, der keine Nachkommen hatte, verlagerte sich das Geschehen auf die arnulfingische Hauptlinie der Karolinger.
 Literatur: Buhlmann, Michael, Das Frankenreich, Großmacht am Anfang des Mittelalters, Tl.1: Geschichte, Tl.2: Anhang, Tl.3: Karten (= VA 37/1-3), St. Georgen 2008, Tl.1, S.26; Text: Buhlmann

Bearbeiter: Michael Buhlmann