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Die Anfänge des Papsttums liegen im Bischofsamt der Stadt (urbs) Rom, das sich im Rahmen der episkopalen Ausformung der Christengemeinden im antiken römischen Reich ausbildete. Am Beginn des Mittelalters hatten römischer Bischof und römischer Primat innerhalb der christlichen Kirche des zerfallenden Imperium Romanum eine solche Stellung erreicht, dass das Papsttum als ein Akteur auch politischen Handelns im Kontext von oströmischen und Ostgotenreich und im Zusammenhang mit einem "abendländischen Christentum" begriffen wurde. Nicht zuletzt spiegelt sich das Papsttum der damaligen Zeit (um 500) in der von Papst Gelasius I. (492-496) formulierten Zweischwerter/-gewaltenlehre (christliche Weltordung: [geistliches] Papsttum mit göttlicher Vollmacht des Bindens und Lösens [Schlüsselgewalt, auctoritas sacrata], [diesseitiges] Kaisertum in weltlicher Herrschaftsausübung [regalis potestas] unter päpstlicher Oberaufsicht; Papst als vicarius Christi [495]).
Im Akakianischen Schisma (484-519) zwischen der West- und Ostkirche setzte Papst Anastasius II. (496-498) auf eine Annäherung, sein Nachfolger Symmachus (498-514), der sich letztlich mit Unterstützung des Gotenkönigs gegen den römischen Bischof Laurentius (498-506) durchsetzte, hingegen auf eine deutliche Abgrenzung (römische Synode 499, Ostern 501 am 25. März). Unter Papst Hormisdas (514-523), der dogmatisch die leonisch-gelasianische Linie weiter verfolgte, endete das Schisma, während die "arianische Ketzerei" der Italien beherrschenden Ostgoten anhielt (antikatholische Maßnahmen Theoderichs, Hinrichtung des Philosophen Boethius 524). Unter diesen Voraussetzungen verlief das Pontifikats Johannes' I. (523-526) unglücklich (Inhaftierung und Tod des Papstes 526). Papst Felix IV. (526-530) war ein Anhänger der ostgotischen Herrschaft und designierte als sein Nachfolger Bonifatius II. (530-532; Dioskur als zeitweiser Gegenpapst 530). Papst Johannes II. (533-535; erstmalige Änderung des Papstnamens) fand sich in den Streitigkeiten der Zweinaturenlehre Christi wieder ("Theopaschatismus"), während Italien über mehrere Jahrzehnte vom Ostgotenkrieg (535-553) Kaiser Justinians I. (527-565) erfasst wurde. Das Papsttum wurde in dieser zum Spielball der Kriegsparteien, um sich schließlich in politisch-kirchlicher Abhängigkeit vom byzantinischen Kaiser wiederzufinden. Die Päpste Agapet I. (535-536), der Hormisdassohn Silverius (536-537) und Vigilius (537-555) behaupteten sich nur selten gegen den auch theologisch interessierten Kaiser (Dreikapitelstreit, Justinian als "Priesterkönig", Aufenthalt des Vigilus in Konstantinopel 546/48, ökumenisches Konzil von Konstantinopel 553 und Absetzung bzw. Unterwerfung des Papstes), auch die Stadtherrschaft des Papstes war gefährdet. Zwischen Langobarden und Byzanz mussten sich die Päpste Pelagius I. (556-561), Johannes III. (561-574), Benedikt I. (575-579) und Pelagius II. (579-690) verorten (byzantinischer Einfluss in Rom, Langobardenreich 568, Papst als Seelsorger und materieller Sachwalter der Armen, Selbstdarstellung als vicarius Christi).
_ (Mönch und) Papst Gregor I. (590-604) wurde dann nicht nur zum Schutzherrn der Ewigen Stadt Rom (res annonaria der Stadt Rom, Verwaltung des Kirchenguts, Waffenstillstände mit den Langobarden), sondern beförderte eine weitere Ideologisierung des Papsttums (Papstbriefe, Universalität des Papsttums und von dessen Schlüsselgewalt, päpstliche Aufsicht über die Kirche, Papst und europäischer Norden [England]). Papst Sabinian (604-606) ging auf Distanz zur römischen Kirche als Versorgungsanstalt für die Armen, die Päpste Bonifatius III. (607) und Bonfatius IV. (608-615) standen in enger Beziehung zu Kaiser Phokas (602-610; Schenkung des Pantheons an den Papst 608). Unter Kaiser Herakleios I. (610-641), der sich wenig um die westlichen Teile seines Reiches kümmern konnte (Perserkriege, Vordringen des Islam), fand eine "Westorientierung" des Papsttums sowie der Päpste Adeodatus (Deusdeit) I. (615-618) und Bonfatius V. (619-625) statt (Fortsetzung der Englandmission, Exarch Eleutherios). Dem byzantinischen Monotheletismus war der (Ketzer?-) Papst Honorius I. (625-638) (angeblich?) nicht abgeneigt, während er sehr wohl das aquileische Kirchenschisma beenden konnte. Gegen den Monotheletismus wandten sich umso entschiedener die Päpste Severin (640), Johannes IV. (640-642), Theodor I. (642-649), Martin I. (649-655; Gefangennahme des Papstes 653), Eugen I. (654-657) und Vitalian (657-672), wobei es auch immer wieder zu (theologischen) Streitigkeiten mit dem Kaiser in Konstantinopel kam (Aufenthalt Kaiser Konstans' II. [641-668] in Rom 653). Die Pontifikate von Adeodatus II. (672-676), Donus (676-678), Agatho (678-681) und Leo II. (682-683) standen unter dem Vorzeichen des ökumenischen Konzils von Konstantinopel (680/81) (römisches Glaubensbekenntnis 680); auch die Päpste Benedikt II. (684-685) und Johannes V. (685-686) arbeiteten dogamtisch und kirchenpolitisch mit dem Kaisertum zusammen. Dies änderte sich unter Kaiser Justinian II. (685-695, 705-711), der gegenüber den Päpsten Konon (686-687; Gegenpäpste Theodor [687] und Paschalis [687]) und Sergius I. (687-701) sowie Johannes VII., Sisinnius (708) und Konstantin (708-715; Papstreise nach Konstantinopel, Massaker an hohen römischen Geistlichen, kaiserliche Zwangsmaßnahmen, Unterwerfung des Erzbischofs von Ravenna 715) einen aggressiven Ton anschlug.
Papst Johannes VI. (701-705) konnte sich byzantinischer Übergriffe (Exarchat, byzantinischer dux) erfolgreich erwehren, auch war der römische Adel noch in seine politischen Schranken verwiesen, und das Papsttum stand unter Johannes VII. (705-707) in durchaus freundschaftlichem Verhältnis zu den langobardischen Herrschern und überstand die "dogmatischen und politischen Wogen" der Jahre 705 bis 713.
_ In der Epoche des byzantinischen Ikonoklasmus (726-775, 815-843) wandte sich das Papsttum vollends dem europäischen Westen zu. Entscheidend hierfür waren die Pontifikate Papst Gregors II. (715-731) und Gregors III. (731-741) (Päpste gegen das Bilderverbot, Weihe des Winfried-Bonifatius zum Bischof 722, päpstlicher Kirchenbann gegen die Ikonoklasten) und - vor dem Hintergrund einer zunehmenden Langobardengefahr (Einnahme Ravennas 737/38) - die Hinwendung der Päpste Zacharias (741-752) und Stephan II. (752-757) zum Frankenreich der (alsbald) karolingischen Könige (Eingreifen Pippins des Jüngeren [741/51-768] in Italien, Königtum Pippins 751, "Pippinsche Schenkung" und "Kirchenstaat" [Patronimium Petri] 754 als päpstliche Herrschaft ["Direktherrschaftsideologie"] über ehemals byzantinische Gebiete, Frankenkönig als patricius Romanorum). Stephan II., dem Papst des römischen Adels, folgte sein Bruder Paul I. (757-767), der ebenfalls auf Familienherrschaft setzte. Verwerfungen innerhalb der römischen Adelsclans führten zu den (Gegen-) Päpsten Konstantin (767-768) und Philipp (768), Papst Stephan III. (768-772) setzte sich letztlich durch (Papstwahldekret 769). "Familienmacht und Nepotismus" prägten das Pontifikat Papst Hadrians I. (772-795), das Langobardenreich wurde fränkisch (773/74), König Karl der Große (768-814) wurde zur bestimmenden (fränkischen) Macht in Italien (Anfertigung der "Konstantinischen Schenkung" an Papst Silvester I.?). Fast folgerichtig ergab sich unter Papst Leo III. (795-816; Mordanschlag auf den Papst 799, dessen Reinigungseid 800) die römische Kaiserkrönung des Frankenherrschers Karl (800; letztlich gegen byzantinischem Widerstand, Friedensabkommen 811; Kaiserkrönung Ludwigs des Frommen [814-840] ohne den Papst 813). Auch die Päpste Stephan IV. (816-817), Paschalis I. (817-824; päpstliche Selbstdarstellung auf römischen Mosaiken), Eugen II. (824-827), Valentin (827), Gregor IV. (827-844) uns Sergius II. (844-847; Gegenpapst Johannes 844) mussten bei "symbolischer Selbstbehauptung" den Vorrang der fränkischen Machtstellung anerkennen, während Byzanz erst einmal aus dem engeren Umfeld des Papsttums verschwand.
In Abwehr arabisch-islamischer Übergriffe auf Rom (846) erfolgte unter Papst Leo IV. (847-855) die Befestigung des Borgo (um den Vatikan) ("Leostadt"; christlicher Sieg in der Seeschlacht vor Ostia), weiter machten sich in dieser Zeit "Tendenzen päpstlicher Staatsbildung" bemerkbar (päpstliche Herrschaftsmittel und Symbolik, Ausstattung und Ausbesserung von Kirchenbauten, Reliquienverehrung und -schenkungen, Liturgie der römischen Kirche, pseudo-isodorische Dekretalen). Letzten Glanz versprachen die Pontifikate Benedikts III. (855-858; Gegenpapst Anastasius Bibliothecarius 855) und Nikolaus' I. (858-867; päpstliche Oberhoheit über die gesamte Kirche, "Ehehändel" König Lothars II.). In der Folgezeit versank das Papsttum in den Auseinandersetzungen innerhalb des römischen Adels in den Pontifikaten Hadrians II. (867-872), Johannes' VIII. (872-882), Marinus' I. (Martin II., 882-884), Hadrians III. (884-885), Stephans V. (885-891), Formosus' (891-896), Bonifatius VI. (896) und Stephans VI. (896-897), wobei Päpste noch immer die Kaiserkrönung fränkischer Könige vollzogen (875, 881, 896) und der aus dem Grab gezerrte Leichnam Formosus' auf der Leichensynode Stephans VI. seines Amtes enthoben wurde (896); Formosus wurde dann nach dem kurzen Pontifikat des Romanus (897) von den Päpsten Theodor II. (897) und Johannes IX. (898-900) wieder rehabilitiert.
_ Fehlende Reputation und Amtsautorität prägten (bis auf Ausnahmen) die Regierungszeiten der Päpste Benedikt IV. (900-903), Leo V. (904; Gegenpapst Christophorus 903-904), Sergius III. (904-911), Anastasius III. (911-913), Lando (913-914), Johannes X. (914-928), Leo VI. (928), Stephan VII. (929-931), Johannes XI. (931-935), Leo VII. (936-939), Stephan VIII. (939-942), Marinus II. (Martin III., 942-946), Agapet II. (946-955) und Johannes XII. (955-964), die sich in den Streitigkeiten innerhalb römischen Adelsfamilien (Theophylakt, Marozia, Alberich II., Alberich III. als Papstmacher/in) kaum durchsetzen konnten und wenig Wirkung über Rom hinaus entfalteten (italisches König- und Kaisertum, Privilegierung des Kloster Cluny 931, Beziehungen zu Byzanz, Thronstreitigkeiten in Frankreich usw.). Papst und princeps Johannes XII. verband sich dabei zur Behauptung seiner Position in Rom mit dem ostfränkisch-deutschen König Otto I. (936-973), der auch das italische Königreich beherrschte (ab 951); Otto erlangte das (westliche) Kaisertum (962; Ottonianum, translatio imperii, Erzbistum Magdeburg 968), das für die folgenden Jahrhunderte in den Händen der ostfränkisch-deutschen Könige blieb. Rom sollte in der Folge für oder gegen den Kaiser sein (römische Synode und Absetzung Johannes' XII. 963, römischer Aufstand 964).
Unklar blieben auch Stellung und Legitimität der Päpste Leo VIII. (963-965), Benedikt V. (964-965) und Johannes XIII. (965-972) (Erweiterung des Ottonianums, Kaiserkrönung Ottos II. [973-983] 967, päpstliche Reliquienpolitik, Heirat Ottos II. mit Theophanu 972). Die Adelsfraktion der Creszentier dominierte in den nachfolgenden Jahren und Jahrzehnten das Geschehen in Rom, was die Marionettenpäpste Benedikt VI. (972-974), Benedikt VII. (974-985; Gegenpapst Bonifatius VII. 974, 984-985), Johannes XIV. (983-984), Johannes XV. (985-996) und wieder die Crescentierpäpste Johannes XVII. (1003), Johannes XVIII. (1004-1009), Sergius IV. (1009-1012), Benedikt VIII. (1012-1014; Gegenpapst Gregor 1012), Johannes XIX. (1024-1032) anbetraf. Lediglich unter Kaiser Otto III. (983-1002) behaupteten sich im Rahmen einer renovatio imperii Romanorum Ottos die (seit langer Zeit) nicht aus Rom stammenden Päpste Gregor V. (996-999; vorher: Bruno von Kärnten) und Silvester II. (999-1003; vorher: Gerbert von Aurillac, Gelehrter, Erzbischof von Reims bzw. Ravenna), das Papsttum wurde unter kaiserlicher Führung wieder europäisch aufgestellt. Danach bestimmte wieder die meist auf Rom gerichtete Politik der "stadtrömischen" Crescentierpäpste das Geschehen. Der Tuskulanerpapst Benedikt IX. (1032-1044, 1045) verhielt sich willfährig gegenüber dem Salierkaiser Konrad II. (1024-1039); am Ende seines Pontifikats standen sich allerdings drei Päpste gegenüber: Benedikt IX., Silvester III. (1045) und Gregor VI. (1045-1046), so dass erst die Synode von Sutri (1046) unter der Leitung des deutschen Herrschers Heinrich III. (1039-1056) die Wende zum Reformpapsttum einleitete.
_ Kirchenreformerische Aktivitäten reichten im lateinischen Europa bis ins 10. Jahrhundert zurück (Gorze, Cluny), die ostfränkisch-deutschen Herrscher beeinflussten die sog. ottonisch-salische Reichskirche mit deren Bistümern und Reichsabteien stark; Heinrich III. setzte in Befolgung seiner Reformpläne Clemens II. (1046-1047; vorher: Bischof Suiger von Bamberg) als Papst ein; ihm folgten als weitere "Päpste von Kaisers Gnaden" Damasus II. (1048; vorher: Bischof Poppo von Brixen) und Leo IX. (1049-1054; vorher: Bischof von Toul). Letzterer verfolgte im Sinne der Kirchenreform (Kampf gegen Priesterehe und Simonie, Abhaltung von Reformsynoden, römischer Primat) einen eigenen Herrschaftsstil als Papst auf Reisen (Deutschland, Frankreich, Süditalien), wobei der Kriegszug gegen die Normannen in der Niederlage von Civitate (1053) und der zeitweisen Gefangenschaft des Papstes endete.
Fast am Rande ist noch vom Beginn des Schismas zwischen (päpstlich-katholischer, abendländischer) Westkirche und (griechisch-orthodoxer) Ostkirche zu reden (1054; theologische Unterschiede, Rolle des Papsttums). Auch Leos Nachfolger Victor II. (1055-1057; vorher: Bischof Gebhard von Eichstätt) stammte aus Deutschland, während die Reformpäpste Stephan IX. (1057-1058), Nikolaus II. (1058-1061; Gegenpapst Benedikt X. 1058-1059) und Alexander II. (1061-1073; Gegenpapst Honorius II. 1061-1064) ihre Pontifikate in einer Schwächeperiode des deutschen Königtums (Unmündigkeit Heinrichs IV. [1056-1106]) ausüben konnten und sich damit die Kirchenreform als innerkirchliche Angelegenheit verselbstständigte.
Das Pontifikat Papst Gregors VII. (1073-1085; vorher: Hildebrand von Sovana) machte aus der Kirchenreform eine "Radikalreform", die die Vormachtstellung des Papstes mit dessen Binde- und Lösegewalt innerhalb und außerhalb der Kirche stark betonte (Dictatus Papae); so gerieten Papst und König Heinrich IV. spätestens im Investiturstreit (1075-1122) aneinander (päpstliche Exkommunikation des Herrschers 1076, Gang nach Canossa 1077, Gegenpapst Clemens III. 1080-1100); letztendlich starb Gregor im normannischen Exil in Salerno, der Gegenpapst Heinrichs IV., Clemens III., hielt in Rom eine Synode ab (1087), in der er vermittelnde kirchenreformatorische Positionen einnahm. Die Papste Victor III. (1086-1087) und Urban II. (1088-1099) gehörten der Partei der radikalen Reformer an, Urban als "cluniazensischer Papst" wertete die Stellung des Papsttums in Europa weiter auf (Gottesfrieden, Synode von Piacenza 1095) und verband die Kirchenreform mit dem Kreuzzugsgedanken (Synode von Clermont 1095); zudem trat in dieser Zeit zunehmend die römische Kurie (päpstliche Kanzlei, Vizekanzler, Camerlengo) in Erscheinung. Unter Papst Paschalis II. (1099-1118; Gegenpäpste Theoderich [1100-1102], Albert [1101], Silvester IV. [1105-1111]) kam es zum Mit- und Gegeneinander zum deutschen Königtum Heinrichs V. (1106-1125) (römische Synode zur Laieninvestitur 1110, Kaiserkrönung und "Pravileg" 1111, Lateransynode 1112, römische Synode 1116, 2. Romzug des Kaisers 1117), unter den Päpsten (mit dem programmatischen Namen) Gelasius II. (1118-1119; Gegenpapst Gregor VIII. 1118-1121) und Calixt II. (1119-1124) kam es zum Abschluss des Wormser Konkordats (1122), das formell den Investiturstreit im Herrschaftsgebeit des deutschen Königs beendete. Es folgten Papst Honorius II. (1124-1130; Gegenpapst Cölestin II. 1024; Auseinandersetzungen mit den Normannen in Süditalien und Sizilien, päpstliche Lehnsherrschaft) und das Schisma zwischen den Papsten Innozenz II. (1130-1143) und Anaklet II. (1130-1138; Nachfolger: Victor IV. 1138), das Innozenz auch mit Unterstützung des Zisterziensers Bernhard von Clairvaux für sich entschied (innerkichliche Reformen [Regularkanoniker], Kaiserkrönug Lothars III. [1125-1137] 1133, Lateransynode 1139, Exkommunikation des Normannenherrschers, päpstliche Niederlage in der Schlacht von San Germano, Rangerhöhung der Normannenherrscher 1139). Während der Pontifikate der Päpste Cölestin II. (1143-1144), Lucius II. (1144-1145), Eugen III. (1145-1153), Anastasius IV. (1153-1154) und Hadrian IV. (1154-1159) standen u.a. die Auseinandersetzungen der römischen Bischöfe mit der römischen Kommune im Vordergrund (römische Aufstände von 1143 und 1144, römischer Senat und Forderungen nach der Stadtherrschaft und der Vergabe des Kaisertums [Adelsfamilie Pierleoni, Arnald von Brescia] <-> weitere Ideologisierung des Papsttums, Kodifizierung des kanonischen Rechts [Gratian]).
Eugen III. suchte politische Anlehnung an den deutschen König Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) (Konstanzer Vertrag 1153). Darum bemühte sich auch (der Engländer) Hadrian IV. (Kaiserkrönung 1155, Verbrennung Arnalds von Brescia 1155), doch kam es alsbald auch zu Zerwürfnissen (Reichstag von Besançon 1157 [beneficium-Streit]), die im Pontifikat Papst Alexanders III. (1159-1181) im Kampf des Papstes gegen den Kaiser und im alexandrinischen Papstschisma (1159-1177) (kaiserlche Gegenpäpste Victor IV. [1159-1164], Paschalis III. [1164-1168], Calixt III. [1168-1178]; 2. Romzug 1167/68, Schlacht bei Legnano 1176, Frieden von Venedig 1177) ihren Höhepunkt fanden; Alexander konnte auch endlich wieder die päpstliche Stadtherrschaft (zumindest zeit- und teilweise) festigen (3. Laterankonzil 1179, Innozenz III. [1179-1180], Auf-/Ausbau der päpstlichen Verwaltung). Seit dem Auftreten der Waldenser im südlichen Frankreich hatten die Päpste Lucius III. (1181-1185), Urban III. (1185-1187), Gregor VIII. (1187), Clemens III. (1187-1191) und Cölestin III. (1191-1198) auch mit der Ketzerbekämpfung und der Unterdrückung von Häresien zu tun (Katharer, Pataria, Passaginer, Josephiner, Anhänger des Arnald von Brescia; päpstliche Dekretale Ab abolendam 1184). Hinzu kamen Probleme mit dem staufischen Königtum (Treffen von Verona 1184 [Weihen von Gegenpäpsten des alexnadrinischen Papstschismas], Anspruch auf und Eroberung des Normannenreichs durch Kaiser Heinrich VI. [1190-1197] 1194).
_ Papst Innozenz III. (1198-1216), ein junger newcomer aus zunächst wenig bedeutender Familie, sollte das Papsttum auf einen ersten Gipfel der Macht führen. Als "Herr der Christenheit" mit dem Anspruch auf Gehorsam selbst von Seiten der Könige und Kaiser betrieb Innozenz Machtpolitik, wobei ihm der deutsche Thronstreit zwischen Staufern und Welfen (1198-1208; Dekretale Venerabiliem 1202) gelegen kam, ebenso die Tatsache, dass der staufische König Friedrich II. (1198/1212-1250) über das Normannenreich noch ein Kind war. Im Patrimonium Petri baute der Papst seine Macht und Verwaltung aus, hier und in Rom betrieb er einen ausufernden Nepotismus, in Rom selbst festigte er durch geschicktes Taktieren die päpstliche Stadtherrschaft. Innozenz initiierte den (4.) Kreuzzug ins Heilige Land, der mit der Eroberung Konstantinopels endete (1202-1204); er ging gegen die Katharer in Südfrankreich vor (Albigenserkreuzzug 1208-1229), integrierte aber um der Macht willen die Armutsbewegung der Humiliaten sowie die Waldenser in die Kirche; gegenüber dem heiligen Franziskus von Assisi und dessen Bewegung verhielt sich Innozenz eher zurückhaltend (1209). Sein Nachfolger Honorius III. (1216-1227) propagierte den Kreuzzug zur Zurückgewinnung des 1187 verloren gegangenen Jerusalem, doch erst Kaiser Friedrich II. gelang die christliche Inbesitznahme der heiligen Stadt auf diplomatischem Weg (Kreuzzug 1228/29); der Stauferherrscher gebot dabei - bedrohlich genug - über das römisch-deutsche und das Normannenreich, Italien selbst war in die Anhänger des Kaisertums (Ghibellinen) und die des Papsttums (Guelfen) gespalten. Bedeutend war das von Innozenz einberufene 4. Laterankonzi (1215), das Beschlüsse zu Häresie und Ketzerbekämpfung (Inquisitionsverfahren) fasste und als Triumph des Papsttums gefeiert wurde.
Unter Papst Gregor IX. (1227-1241) eskalierten die Auseinandersetzungen zwischen den mittelalterlichen "Universalgewalten" (Bannung Friedrichs II. 1227, Frieden von San Germano 1230, Sieg des Kaisers in der Schlacht bei Cortenuova 1237, erneute Exkommunikation 1239). Der "Endkampf" zwischen Papsttum und Kaisertum sollte sich nach dem Intermezzo Papst Cölestins IV. (1241) und nach einer langen Sedisvakanz ("erstes Konklave") unter Papst Innozenz IV. (1243-1254) noch steigern (Aufenthalt des Papstes in Genua und Lyon, Konzil von Lyon 1245 und nochmalige Bannung des Kaisers, deutsche Gegenkönige, päpstliche Besteuerung und Pfründenvergabe); nach Friedrichs II. Tod (1250) kehrte Innozenz IV. nach Rom zurück (Anfänge des päpstlichen Palastes auf dem Vatikan, kuriale Propaganda). Papst Alexander IV. (1254-1261) übertrug als (in seiner Sichtweise) Lehnsherr des Königreichs Sizilien dieses an den englischen König (1255), doch behauptete sich hier in der Nachfolge des Staufers Konrad IV. (1237-1254) dessen Halbbruder Manfred (1254-1266) als Herrscher; Alexander, der sich wie seine beiden Nachfolger nie in Rom aufgehalten hatte, förderte den Franziskanerorden, dieser hatte (1223) - wie auch die Dominikaner (1216) - durch Honorius III. Anerkennung erlangt. Den politisch nach Frankreich und hin zum französischen König Ludwig IX. (der Heilige, 1226-1270) orientierten Päpsten Urban IV. (1261-1264) und Clemens IV. (1265-1268) gelang die Installation der Anjou als Könige des ehemaligen Normannenreichs (Niederlage und Tod Manfreds in der Schlacht bei Benevent 1266, König Karl I. von Anjou [1266-1285], Niederlage und Hinrichtung des "letzten Staufers" Konradin 1268; Bulle Licet ecclesiarum und päpstliche Pfründenhoheit 1265). Nach langer Sedisvakanz wurde Gregor X. (1271-1276) Papst (Papstkrönung mit Tiara in St. Peter in Rom); die päpstlichen Friedensbemühungen in der Lombardei scheiterten, Ergebnis von Gregors (2.) Konzil von Lyon (1274) war u.a. eine Sondersteuer für einen neuen Kreuzzug, auch verfolgte der Papst eine Unionspolitik gegenüber der griechisch-orthodoxen Kirche (Ende des lateinischen Kaiserreichs 1261, Palailogenkaiser in Konstantinopel). Die nächsten Papstwahlen erfolgten gemäß dem Papstwahldekret Gregors X., kurze Sedisvakanzen entsprachen aber auch die kurzen Pontifikate Papst Innozenz' V. (1276), Hadrians V. (1276) und Johannes' XXI. (1276-1277), Letzterer ein Portugiese, der die Lehren des Pariser Theologen Siger von Brabant verurteilte. Eine etwas längere Regierungszeit war Nikolaus III. (1277-1280), dem ersten Orsinipapst, gegönnt (Grundgesetz des päsptlichen Roms 1278, Integration der Romagna in den Kirchenstaat, "schrankenloser" Nepotismus, Papstpalast, Engelsburg als Besitztum der Orsini). Die nachfolgenden Päpste Martin IV. (1281-1285), Honorius IV. (1285-1287) und Nikolaus IV. (1288-1292) waren zum Teil Parteigänger des französischen Königs und hingen zeitweise von den Anjoukönigen in Neapel ab (Sizilianische Vesper 1282 [päpstlicher Aufruf zum Kreuzzug gegen Aragon]). Auf den Tod Nikolaus' IV. folgte eine 27-monatige Sedisvakanz, bevor endlich - unter tätiger Anteilnahme des Anjoukönigs Karl II. (1285-1309) - der Eremitenpapst Cölestin V. (1294) sein Pontifikat an- und alsbaöd wieder abtrat.
Bonifatius VIII. (1294-1303) förderte mit gewohntem Nepotismus seine Caetani-Familie; Sizilien, Frankreich und auch die Republik Florenz standen im Brennpunkt der päpstlichen Politik, die Enzyklika Clericis laicos (1296) verurteilte die Besteuerung der französischen Geistlichkeit durch König Philipp IV. (den Schönen, 1285-1314), der durch die Drohung eines Finanzboykotts mit dem Papst zunächst zu einer Einigung gelangte (1297). Das erste Heilige Jahr (1300) verkündete für alle Rompilger den vollständigen Ablass (indulgentia plenaria), der Papst sah sich gleichzeitig als "höchster Richter über die Christenheit", was der im Übrigen gebannte Philipp mit dem Überfall auf den Papst in Anagni beantwortete (1303). Bonifatius folgte als Kompromisskandidat Papst Benedikt XI. (1303-1304), der die Exkommunikation Philipps aufhob bzw. sogar in Frage stellte (1304).
_ Die Abhängigkeit der Päpste vom französischen Königtum im 14. Jahrhundert geschah auf Grund der stattgefundenen Zentralisierung der Kirche auf den Papst hin wegen der Erlangung einer großen politischen Machtposition durch den römischen Bischof, wie sie zuletzt und in einem Desaster endend Papst Bonifatius VIII. vertrat. Papst Clemens V. (1305-1314) war vom französischen König abhängig (Papstkrönung in Lyon, Bonifatiusprozess, Auflösung des Templerordens 1312, päpstliche Politik gegenüber dem römisch-deutschen Reich, Gegenpapst Nikolaus V. [1328-1330]), das Papsttum mied Rom und residierte in Avignon (1309); die französischen Kardinäle im Wahlgremium machten eine Zweidrittelmehrheit aus, doch kam es erst nach langer Sedisvakanz zur Wahl Papst Johannes' XXII. (1316-1334). Dieser profilierte sich im Kampf gegen den deutschen König Ludwig den Bayern (1314-1347), im Armutsstreit innerhalb des Franziskanerordens (Bulle Cum inter nonnullos 1323), im Streit um die visio beatifica der christlichen Heiligen und gegen den deutscher Mystiker Meister Eckart (Bulle In agro dominico 1329). Das avignonesische Papsttum (Errichtung des Papstpalastes in Avignon) wurde weiter vertreten durch Benedikt XII. (1334-1342; vorher: Jacques Fournier, "Ketzereispezialist"), der den Versuch unternahm, den kurialen Pfündenmarkt zu begrenzen, und mit seiner Bulle Benedictina (1336) den Benediktinerorden neu ordnete, und Clemens VI. (1342-1352), einen politischen Papst, unter dem es u.a. in Rom, das politisch-geografisch in Machtbereich der großen Adelsfamilien (Orsini, Colonna u.a.) aufgeteilt war, um Cola di Rienzo zu Unruhen kam (1347/54) und darüber hinaus die Herrschaft im Kirchenstaat erodierte (Bologna).
Zu (vergeblichen) Reformversuchen und auch Versuchen der Rückkehr des Papstes nach Rom kam es in den Pontifikaten von Innozenz VI. (1352-1362), Urban V. (1362-1370) und Gregor XI. (1370-1378), doch blieb es nur bei einem Aufenthalt Urbans V. in Rom (1367/70) gegen den Widerstand der französischen Kardinäle, während die Machtstellung der in Abhängigkeit Frankreichs befindlichen Päpste weiter abnahm. Gregor XI. kehrte 1377 nach Rom zurück, nach seinem Tod (1378) wurde in Rom Urban VI. (1378-1389) zum Papst gewählt, während die in Avignon zurückgebliebenen Kardinäle Clemens VII. (1378-1394) wählten. Im daraus resultierenden Großen Papstschisma (1378-1417) standen sich die Päpste Bonifatius IX. (1389-1404), Innozenz VII. (1404-1406) und Gregor XII. (1406-1415) in Rom und der (Gegen-) Papst Benedikt XIII. (1394-1423) in Avignon mit ihren jeweiligen Kurien gegenüber; hinzu kam der auf dem Konzil zu Pisa (1409) gewählte Papst Alexander V. (1409-1410), dessen Nachfolger Johannes XXIII. (1410-1415) war. Dabei hatte sich das nach Rom zurückgekehrte Papsttum den politischen Instabilitäten in Rom und im Kirchenstaat zu stellen, was mitunter nur unzureichend gelang. Im Konzil von Konstanz (1414-1418) wurden alle drei damals regierenden Päpste abgesetzt (1415) und schließlich Martin V. (1417-1431; vorher: Oddone Colonna) zum Papst gewählt. Mit Martin begann der Neuanfang des Papsttums in Rom (Einzug des Papstes in Rom 1420; päpstliche Stadtherrschaft und Kurienreform) im Mit- und Gegeneinander zu den Beschlüssen des Konstanzer Konzils, wobei es Martin und seinem Nachfolger Eugen III. (1431-1447; konziliarer Gegenpapst Felix V. [1439-1449]) letztlich gelang, sich vollends gegen die konziliare Bewegung (Konzil von Pavia-Siena 1423-1424, Konzil von Basel 1431-1449) durchzusetzen, so dass von nun an wieder die alleinige Machstellung des Papstes in der Kirche galt (päpstliches Konzil von Ferrara-Florenz 1438-1445, Kirchenunion von West- und Ostkirche 1439, Kardinal Bessarion). Parallel dazu erholte sich das Einnahmesystem des Papstums (Kirchenstaat, Pfründenpolitik, Dispense) bei hohen päpstlichen Ausgaben.
_ Die Kreuzzugsbewegung kam mit der Niederlage christlicher Kreuzfahrer in der Schlacht bei Varna (1444) faktisch zu ihrem Ende, die Eroberung Konstantinopels durch die türkischen Osmanen (1453) fand während des Pontifikat Papst Nikolaus' V. (1477-1455) statt. Dieser konnte immerhin innerhalb der Westkirche einen Ausgleich mit dem Konzil von Basel (-Lausanne) erzielen (1428/29; Konkordat mit Kaiser Friedrich III. [1440-1493], Selbstauflösung des Konzils 1449) und auch die politische Situation in Italien beruhigen (Vereinbarungen/Liga von Lodi 1454); in Rom war Nikolaus weniger erfolgreich, verfolgte aber hier einen "Nepotismus mit Augenmaß".
Die Pontifikate seiner Nachfolger Calixt III. (1455-1458), dem ersten Borgiapapst, und Pius II. (1458-1464; vorher: Enea Silvio Piccolomini, Humanist, Teilnehmer des Basler Konzils) waren geprägt von den Auseinandersetzungen gegen das Osmanenreich (Kreuzzugspläne Pius' II.), von Nepotismus und Personenkult (Kampf Calixt' III. gegen die aragonesische Herrschaft in Süditalien [seit 1442/58], Corsignano/Pienza als Stadt Pius' II., päpstliche studia humanitatis und Förderung von Gelehrten durch Pius II.). Paul II. (1464-1471) war ein Papst des Übergangs; er stand gegen den Humanismus (Bartolomeo Sacchi [Platina], römisch-kommunale Autonomie), war ein "nüchterner" Regent des Kirchenstaats und weitete die Armenfürsorge aus; in seiner Italienpolitik wandte er sich gegen die Republik Venedig. Ein Franziskanermönch wurde als Sixtus IV. (1471-1484; vorher: Francesco della Rovere) Nachfolger Pauls; Sixtus verfolgte einen extremen Nepotismus, der seine Familie mit Kardinalsämtern, Bistümern, Verwaltungsämtern und lukrativen Eheverbindungen versorgte; er machte aus dem Vatikan einen Hof der Renaissance im Zentrum eines "Della-Rovere-Feudalstaats" (Sixtinische Kapelle) und leistete damit der weiteren Verweltlichung des Papsttums Vorschub, die sich auch gegen die Mediciherrschaft in der Republik Florenz (1478), das Königreich Neapel (päpstlicher Sieg in der Schlacht in den Pontinischen Sümpfen 1482) und die Republik Venedig (Ferrara, Kampf zwischen Orsini und Colonna 1583/84) wandte (Nepotenkriege, Ämterverkauf, Besteuerung). Ein gewisse Atempause erfuhr das Papsttum während des Pontifikats Innozenz' VIII. (1484-1492), der sich mit den Medici in Florenz verband (Ehevertrag, Kardinalsernennung 1492) und mit seiner Bulle Summis desiderantes affectibus (1484) die Hexenverfolgung in Deutschland beförderte. Der zweite Borgiapapst hieß Alexander VI. (1492-1503); mit ihm waren verbunden der übliche (extreme) Nepotismus, die versuchte Schaffung eines Borgiastaates (Niederlage 1497), die Eheangelegenheiten um die Papsttochter Lucretia (Heirat mit Alfonso d'Este 1501), die Ermordung des Papstsohns Giovanni Borgia, das Zusammengehen mit dem französischen Köing (1498), der Terrorkrieg des Papstsohns Cesare Borgia in Mittelitalien (Borgiaherzogtum Romagna) und der Zusammenbruch der Borgiaherrschaft beim Tod des Papstes (1503), der im Übrigen mit dem (spanisch-portugiesischen Teilungs-) Vertrag von Tordesillas (1494) Weltgeschichte schrieb. Dem Trauma des Borgiapontifikats folgten die kurze Regierung Papst Pius' III. (1503) und das Pontifikat des Roverepapstes Julius II. (1503-1513), der seinem Neffen Francesco das Herzogtum Urbino sicherte (1508), im Kirchenstaat gegen allzu selbstständig agierende "Tyrannen" vorging, ebenso gegen Venedig, Frankreich und Florenz (Schweizer Garde 1505/06; Konzil von Pisa 1511 gegen Laterankonzil in Rom 1513/16), und schließlich - kunsthistorisch bedeutsam - die Ausmalung der Sixtinischen Kapelle (1508/12) und den Neubau der Peterskirche auf dem Vatikan (1506) veranlasste.
Der "Genussmensch und Machtpolitiker" Leo X. (1513-1521) folgte als Medicipapst seinem Vorgänger. Leo versuchte vergeblich, für seine Familie das Herzogtum Urbino zu gewinnen (1516/21); ein Attentat auf den Papst konnte abgewendet werden (1517), Leo nahm die durch Martin Luther 1517 begonnene Reformation von Anfang an Ernst (Ablass, Rolle des Papsttums bei der Auslegungshoheit der Bibel), in der Wahl des römisch-deutschen Königs (1519) stand Leo gegen den zukünftigen Kaiser Karl V. (1519-1556/58). Papst Hadrian VI. (1522-1523), ein Niederländer, stilisierte sich gegen das Rom "arroganter Humanisten und korrupter Kirchenfürsten" und richtete Anklagen gegen seine machtgierigen und korrupten Vorgänger, was dem Papst vollends die Unterstützung von Kurie und Verwaltung entzog. Auf Hadrian folgte wieder ein Medicipapst, Clemens VII. (1523-1534), dessen selbstzerstörerische irrationale Politik gegen König Karl V. (Kämpfe zwischen Frankreich und Spanien um die Vorherrschaft in Norditalien) im Sacco di Roma, der Plünderung und zeitweisen Inbesitznahme Roms durch deutsche Söldner (1527) mündete (Papst eingeschlossen in der Engelsburg). Nach dem Sacco nahm Clemens seine Politik der Begünstigung der Medicifamilie wieder auf (zwischenzeitlicher Verlust von Florenz 1525/30, Alessandro als Herzog von Florenz 1530), während der Fortgang der Reformation in Deutschland beim Papst auf Desinteresse stieß; lediglich ein Kirchenkonzil zu Reformation und Reform der Kirche verhinderte der Papst erfolgreich, so dass am Ende des Clemenspontifikats das Papsttum als Besitz wechselnder Familien den Tiefpunkt seines Ansehens erreicht hatte.
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